« Offline-Urlaub im Funkloch »
Es war einmal eine Zeit, in der die Ferien in aller Abgeschiedenheit verliefen. Arbeit und Stress blieben zu Hause. Nachrichten und News konnten eine Woche warten. Man schrieb Postkarten. Wer heute märchenhafte Ferienziele sucht, findet Erholung im Funkloch. Die werden in Europa zwar immer weniger, aber es gibt sie noch.
Digital-Detox tut gut!
Offizielle Stellen sprechen von circa 70’000 Internetsüchtigen in der Schweiz. Rund 370’000 Schweizer pflegen nach Aussage der Stiftung „Sucht Schweiz“ einen problematischen Umgang mit dem Internet. Zu viel, zu lange und vor allen Dingen zu häufig sind Nutzer im Netz unterwegs. Sogar an freien Tage legen sie die Angewohnheit nicht ab. Jugendliche sind häufiger betroffen als Erwachsene. Wenn das Smartphone nicht mit ins Schlafzimmer kommt, sind manche schon auf dem richtigen Weg. Den Ausschalter zu betätigen scheint für viele jedoch unmöglich.
Die Folgen sind bekannt: Ständige Erreichbarkeit an Wochenenden und in den Ferien führt zu Stress. Erholung sieht anders aus.
Offline-Urlaub – die neue Herausforderung
Noch bevor Sie sich ausmalen, wie Ferien ohne Internet, Handy und Tablet aussehen könnten, müssen Sie einen Ort finden, an dem Internet und Mobilfunk nicht verfügbar sind. Diese weissen Stellen in der Karte sind rar gesät. In der Schweiz werben beispielsweise einige Hotels mit dem Funkloch als Digital-Detox Vorteil.

Tallage oder grosse Höhen sind ebenfalls beste Voraussetzungen für einen Offline-Urlaub. Der Schweizer Alpen Club nennt circa 50 Hütten, die kein Handynetz erreicht.
Zelten im Ausland
Beim Camping im Nachbarland Deutschland ist die Versorgungslage unterschiedlich: Die Telekom als eine der grössten Anbieter versorgt nur die Landstriche flächendeckend, in denen sie regelmässig Nutzer erwartet. Besonders beim Camping ist diese Nachfrage eher in der Sommersaison gegeben. Das reicht dem Unternehmen für den Ausbau nicht aus. Vorhandene Netze sind schnell überlastet. Digital-Detox beim Zelten tritt dann ungewollt ein.

Spätestens jetzt erwachen verschüttetet geglaubte Kompetenzen und die Reisenden erinnern sich an Dinge, mit denen sie sich früher die Zeit vertrieben: zum Beispiel mit einem gemeinsamen Spieleabend oder einem Buch.
Sich selbst und andere überzeugen
Wer schon einmal versucht hat, einen Jugendlichen dazu zu bewegen, das Handy wegzulegen, verspürt vermutlich wenig Lust auf eine Wiederholung des Experiments. Erwachsene zeigen sich kaum einsichtiger. Zahllose Probleme stehen plötzlich im Raum, die früher keine darstellten und auch heute keine sind: Über das erfolgreiche Eintreffen am Urlaubort informieren Ansichtskarten und tolle Fotos gelingen mit der Digitalkamera. Um vor Ort alle notwendigen Informationen zur Hand zu haben, bedarf es der Vorbereitung für den Offline-Urlaub.

Karten und Reiseführer beinhalten wichtige Fakten zum Ferienort. Beim Camping profitieren Sie von der Kompetenz des Platzbetreibers, der gerne über die Umgebung Auskunft gibt.
Nichts verpassen im Offline-Urlaub
Den Luxus, nicht erreichbar zu sein, geniessen Sie durch selbst auferlegten Verzicht. Wer Probleme bei der Abstinenz erwartet, steuert gezielt Urlaubsorte an, die „unerreichbar“ sind, und lässt das Handy beim Ausflug in die nächstgrössere Stadt im Camper oder Zelt. Allen fällt die digitale Pause anfänglich schwer. Die Gewohnheit fordert ihren Tribut.
Wenn Sie nach der ersten Ferienwoche ein Internetcafé ansteuern und Ihre E-Mails checken, stellen Sie vielleicht fest, dass nichts Wichtiges geschehen ist.
Idealerweise sind Freunde und Verwandte über die Unerreichbarkeit informiert, damit sich niemand sorgt. Der Chef sollte schon aus Anstand darauf verzichten, Sie in den Ferien zu kontaktieren.
Zelten ohne elektronische Unterhaltung
Beim Camping im Wohnwagen ist meist ein TV-Gerät dabei. Doch auch das steht auf der Digital Detox Streichliste! Wer mit dem Zelt reist, ist klar im Vorteil, wenn der Verzicht weiter reichen darf als nur bis zum Smartphone. MP3-Player und Radio fallen streng genommen ebenfalls der freiwilligen Digital-Diät zum Opfer.
So kann es ablaufen
Wenn alles gut läuft, begegnen Sie in der Abwesenheit digitaler Ablenkung vermutlich sich selbst. Darauf ist nicht jeder vorbereitet. Suchen Sie Kontakt zu anderen, wenn Ihnen die Ruhe unheimlich wird. Zu Hause werden Sie die Stille vermissen. Nicht ohne Grund wählen Reisende immer wieder den Weg in die Abgeschiedenheit.

Sie besuchen Klöster und vergleichbare Rückzugsorte, um dem hektischen Alltag zu entfliehen. Digital-Detox im Offline-Urlaub verspricht Erholung. Das Mobiltelefon nach neuen Nachrichten zu befragen oder Anrufe entgegenzunehmen, besitzt wenig Erholungswert, wenn es statt zu Hause nur woanders stattfindet.
Digital-Detox: strahlungsarm Zelten
Auch wenn es anfänglich schwerfällt, ist ein Urlaub ohne ständige Erreichbarkeit die reine Erholung. Suchen Sie Ziele auf, die keine Mobilfunk- und Internetabdeckung aufweisen. Oder gehen Sie die Situation einmal vollkommen neu an, wenn Sie zufällig in ein Funkloch geraten. Die Ruhe ist atemberaubend schön.

Die flächendeckende Verbreitung von Mobilfunk zeigt negative Spuren: In vielen Ländern finden Sie kein öffentliches Telefon, um schnell Hilfe zu holen. Der freiwillige Verzicht in Regionen mit schlechter Erreichbarkeit ist eine gute Übung, für den, der es will. Für unaufschiebbare Kommunikation suchen Sie Stellen auf, die andere nutzen. Sie erkennen sie an den hochgereckten Handys auf der Suche nach dem Netz.
Offline-Ferien sind überall möglich
Zuletzt möchten wir auf die Möglichkeit hinweisen, dass Sie Handys und Notebooks, Fernsehgeräte und Radios auch einfach auslassen oder ausmachen können.

Wer weiss, welche Campingplätze zu seinen favorisierten Urlaubszielen gehören, soll dort entspannte Ferien verleben. Auch dort können Urlauber einfach diszipliniert auf alles Verzichten, was digital von der Erholung abhält. Ein gewisser Wille gehört allerdings in diesem Falle dazu.
Schlanser Magazin